Wußten Sie es?

Sukka von 1948 in Essen

Die große Synagoge in Essen wurde am 25. September 1913 eingeweiht. Die Synagoge war kulturelles und soziales Zentrum 4500 Mitglieder zählenden Gemeinde. In ihr fanden rund 1500 Menschen auf mehreren Emporen Platz. In Reichsprogramnacht am 9. November 1938 wurde zwar die Synagoge durch Brandstiftung im Inneren stark zerstört, das Gebäude blieb auf aber fast unversehrt. Aufgrund der massiven Bauweise aus Stahlbeton konnten die Nationalsozialisten das Gebäude entgegen ihren Plänen nicht abreißen, eine Sprengung war wegen der umliegenden Häuser unmöglich. Daher gilt die Synagoge auch heute noch als bedeutendes Kulturdenkmal, wird aber als Haus der Jüdischen Kultur und nicht als Betraum genutzt. Bereits 1948 wurde in der Ruine der Synagoge eine Sukka errichtet. Da die Kuppel zerstört war, wurde das Gebot, die Sukka unter dem freien Himmel zu bauen, erfüllt. Das Foto stellt einer der ersten Zeugnisse neuen jüdischen Lebens in Deutschland nach der Shoah dar.

In der Literatur
Die ersten Kinder-Geschichten zu Sukkot erschienen bereits 1928 im Buch „Jüdische Kindermärchen“. Die junge Autorin Ilse Herrlinger veröffentlichte das Märchen „Die Laubhütte im Himmel“ zuerst in Mährisch Ostrau und Prag, dann in Berlin. Ilse Weber, geborene Herlinger (wurde am 11. Januar 1903 in Vítkovice (Ostrava geboren und am 6. Oktober 1944 im KZ Auschwitz-Birkenau ermordet. Kinder von 6 bis 12 Jahre können die Geschichte online hören: https://www.jmberlin.de/video-lesezeit-laubhuette-im-himmel

Sukkot vor dem Holocaust

Die Geschichte hinter diesem Foto:
Es ist der 10. Oktober 1938. Die Familie Reutlinger sitzt in der Sukka. Die Wände sind geschmückt, Elsa Reutlinger verteilt das Essen. Eine traurige Idylle. Der damals 13jährige Fritz  hatte mit Anfeindungen seiner nationalsozialistisch gesinnten Lehrer zu kämpfen. Einen Monat später wurde der Großvater bei der "Progromnacht" vom 9. November zusammengeschlagen. Die Bar Mitzwa von Fritz, die eigentlich als großes Fest geplant war, wurde im kleinsten Familienkreis begangen. Die Familie wollte das Land verlassen, wußte aber nicht wohin. Schliesslich war es für die Ausreise zu spät. Die Brüder Fritz und Erich kamen zum Onkel nach Antwerpen, die Eltern wurden in einem französischen Internierungslager inhaftiert, konnten aber über Cuba in die USA einwandern.  Fritz gelang mit einem Kindertransport die Flucht nach Palästina. 11 Jahre später traf er seine Eltern in New York wieder. Sein jüngerer Bruder Erich, der damals zu jung für die Flucht war, wurde 1942 von Brüssel aus in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert und dort ermordet. Fritz, der inzwischen Schlomo hieß, studierte Ökonomie und arbeitete 30 Jahre für die Weltbank.


 

In der ArchitekturArchitekt Daniel Libeskind entwarf den Glashof des Jüdischen Museums in Berlin nach dem Vorbild einer Sukka. Die 2007 erbaute Konstruktion aus Glas und Stahl bildet eine 670 Quadratmeter große Überdachung. Hier finden Bildungsprogramme, Konzerte und Konferenzen statt.
Mehr Informationen über den Glashof erfahren Sie auf der Homepage des Jüdischen Museums, Berlin: https://www.jmberlin.de/app

In der MalereiDie Lithografie von Hermann Struck „Sukkot/Laubhüttenfest“ aus dem Jahre 1916 gilt als Beispiel für die Darstellung von Sukkot in der Malerei. Sie zeigt einen alten Mann im Profil: Sein Kopf ist nach unten geneigt, in seinen Händen trägt er den Lulav. Hermann Struck (1876 – 1944) war Bildhauer, Maler und Zionist. Zu seinen Schülern an der Kunstschule in Berlin zählte auch der Maler Mark Chagall. Auf den Studienreisen nach Russland und Galizien entstanden zahlreiche jüdische Bildnisse. 1923 wanderte Struck aus Deutschland nach Palästina aus. Er wirkte bei der Gründung des Kunstmuseums in Tel Aviv sowie einer Kunstschule in Jerusalem  mit und war beim Aufbau einer Künstlerkolonie in Haifa beteiligt.

Sukka als MahnmalDie historische Laubhütte der Familie des Reb Mendel Rosenbaum (1783-1868) in Zell am Main (Unterfranken) gilt als bedeutendes Zeugnis der kulturellen und religiösen Vielfalt in Deutschland. Es dokumentiert das Leben und Wirken der Familie Rosenbaum zur Emanzipationszeit im 19. Jahrhundert und dient als außerschulischer Lernort für das tiefere Verständnis jüdischer Kultur und Tradition in Unterfranken.

Die Rosenbaum Sukka zu sehen: https://www.zell-main.de/de/freizeit/fuehrungen

Öffentliche Führungen Rosenbaumsche Laubhütte 2021
So, 18. April, 11-12 Uhr
So, 16. Mai, 11-12 Uhr
So, 13. Juni, 17–18 Uhr
So, 11. Juli, 17-18 Uhr
So, 19. Sept. 11-12 Uhr
So, 17. Oktober, 11-12 Uhr

Weitere Führungen auf Anfrage: Annette Taigel, mobil 0157 71706231